Dürfen Fehlzeiten im Arbeitszeugnis erwähnt werden?

| Zahlen & Fakten Zahlen & Fakten

Erwähnt ein Arbeitgeber Fehlzeiten im Arbeitszeugnis, sieht das für ausscheidende Beschäftigte schnell unvorteilhaft aus. Bei Bewerbungen etwa könnte durch eine solche Anmerkung im Zeugnis der Eindruck entstehen, der Kandidat oder die Kandidatin sei unzuverlässig. Aber: Darf eine Angabe zu Fehlzeiten überhaupt ins Zeugnis?

«Grundsätzlich sollte das Arbeitszeugnis wohlwollend und berufsfördernd ausfallen», sagt Peter Meyer, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Berlin. Deswegen gilt auch: Sollten Beschäftigte im Laufe ihres Arbeitsverhältnisses unentschuldigt gefehlt haben oder wegen Krankheit ausgefallen sein, «gehört das nicht ins Arbeitszeugnis», so Meyer.

Neutrale Formulierung möglich

Es gibt dem Fachanwalt zufolge aber eine Grenze. Und zwar dann, wenn es um erhebliche, wesentliche Ausfallzeiten geht. «Das bemisst sich dann an der Gesamtdauer des Arbeitsverhältnisses», so Meyer. War ein Arbeitnehmer beispielsweise für insgesamt vier Jahre angestellt, davon aber ganze zwei Jahre krank, dürfte der Arbeitgeber das ins Zeugnis aufnehmen. Allerdings lediglich in einer neutralen Formulierung wie «Das Arbeitsverhältnis war vom Datum X bis Datum Y unterbrochen».

Etwas Ähnliches kann sich auch im Fall einer Elternzeit ergeben. «Wenn zwischen der aktiven Tätigkeit und der Elternzeit ein Missverhältnis besteht, also erhebliche, wesentliche Ausfallzeiten vorliegen, geht man davon aus, dass Arbeitnehmende damit einverstanden sind, dass dies im Arbeitszeugnis erwähnt wird», so Meyer.

Hinweise auf Fehlzeiten sind selten

Dahinter stehe der Gedanke, dass diese Fehlzeiten an sich kein Makel für den oder die Mitarbeitende bedeuten. Es solle aber vermieden werden, dass ein falscher Eindruck davon entsteht, wie viel Berufserfahrung jemand während eines Arbeitsverhältnisses tatsächlich gesammelt hat.

Laut Meyer sind solche Hinweise auf Fehlzeiten sehr selten und werden wie auch das Arbeitszeugnis im Gesamten in der Regel zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber abgestimmt. Zu bedenken sei auch, dass Zeugnisse häufig ohnehin gut ausfallen, insbesondere dann, wenn Arbeitgeber Streit vor Gericht mit ausscheidenden Beschäftigten vermeiden wollen.

Zur Person: Peter Meyer ist Fachanwalt für Arbeitsrecht und Mitglied des geschäftsführenden Ausschusses der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV). (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Wer bereits alle Urlaubstage für das Jahr aufgebraucht hat und dennoch eine Auszeit benötigt, kann unbezahlten Urlaub beantragen. Doch nicht immer hat ein solcher Antrag Aussicht auf Erfolg.

Arbeitsmittel sparen – auf Kosten der Mitarbeiter? Manche Arbeitgeber bitten ihre Angestellten, den eigenen Laptop für die Arbeit zu nutzen. Doch sind Arbeitnehmer verpflichtet, dem zuzustimmen?

Es beginnt harmlos – ein beiläufiger Kommentar über die bevorstehende Wahl. Doch was passiert, wenn das lockere Politik-Gespräch am Arbeitsplatz in hitzige Debatten mit extremen Positionen umschlägt?

Bis zum 23. September können sich auch Hoteliers und Gastronomen um den Deutschen Fachkräftepreis bewerben. Das Bundesministerium für Arbeit zeichnet innovative Lösungen und Beiträge zur Fachkräftesicherung und -gewinnung in insgesamt sieben Kategorien aus.

Vom 29. September bis 6. Oktober 2024 findet wieder die Aktionswoche: Zu gut für die Tonne! des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft statt. Bundesweite Mitmach-Aktionen rund um das Thema „Lebensmittelverschwendung“ sollen zu einem nachhaltigen Umgang mit Ressourcen motivieren.

Azubis werden dringender denn je gesucht: In der aktuellen "Ausbildungsumfrage 2024" meldet die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) einen Höchststand bei der Zahl der Betriebe, die nicht genügend Nachwuchs finden. Das Gastgewerbe gehört neben Industrie, Handel, Verkehrsbranche und Baugewerbe zu den am meisten betroffenen Branchen.

Der DEHOGA Bundesverband warnt aktuell vor zwei Betrugsmaschen. So habe der Deutsche Schutzverband gegen Wirtschaftskriminalität Hinweise auf Fake-Rechnungen erhalten. Bei einer zweiten aktuellen Betrugsmasche wird potentiellen Opfern Ware aus der angeblichen Insolvenzmasse eines Getränkemarkts angeboten.

Um das Gehalt aufzustocken, kann sich neben dem eigentlichen Hauptberuf noch ein Minijob eignen. Oder vielleicht sogar mehrere? Folgendes sollten Sie dazu wissen.

Viele der rund 1,2 Millionen Azubis machen einer Umfrage zufolge regelmäßig Überstunden. Angehende Köchinnen und Köche leisten demnach mit durchschnittlich 6,1 Überstunden pro Woche die meiste Mehrarbeit gefolgt von Hotel-Azubis.

Ist der Arbeitsplatz vom Wohnsitz weit entfernt, haben Arbeitnehmer manchmal eine zweite Wohnung in der Nähe vom Job. Welche Kosten für Heimfahrten sie bei der Steuererklärung geltend machen können.