Streit um Zucker bei Kinderjoghurt und Salz bei Pizza

| Industrie Industrie

Muss der Eistee wirklich so süß sein? Und der Quark für Kinder auch? Für eine gesündere Ernährung sollen Fertigprodukte mit weniger Zucker, Fett und Salz auskommen. Doch wie erreicht man das?

Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) hat mehrere Branchen für Selbstverpflichtungen gewonnen - und diese freiwilligen Zusagen zeigen Wirkung, machte sie am Mittwoch nach ersten Daten deutlich. Allerdings gebe es weiter Handlungsbedarf, vor allem bei Produkten speziell für Kinder. Verbraucherschützern und Medizinern reichen die Reduzierungen und die ganze Vorgehensweise nicht aus.

Klöckner betonte: «Es geht in die richtige Richtung.» Positiv sei, dass vielfach auch die Gesamtkalorienzahl der Produkte sinke, wenn Zucker reduziert werde. Hintergrund ist eine vom Kabinett Ende 2018 beschlossene «Reduktionsstrategie». Sie sieht vor, dass Hersteller sich zu schrittweisen Zutaten-Änderungen bis 2025 verpflichten.

Meist geht es um weniger Zucker. So soll in Frühstückscerealien für Kinder ein Minus von mindestens 20 Prozent erreicht werden, in gesüßten Kinder-Milchprodukten und in Erfrischungsgetränken von 15 Prozent. Dabei sollen Rezepturen nach und nach umgestellt werden, um beim gewohnten Geschmack für die Kunden abrupte Änderungen zu vermeiden.

Anlass zum Gegensteuern besteht: In Deutschland gelten 47 Prozent der Frauen, 62 Prozent der Männer und 15 Prozent der Kinder als übergewichtig. Zu viel Zucker, Fett und Salz erhöhen auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes. Um die Branchenzusagen zu überprüfen, hat das bundeseigene Max-Rubner-Institut (MRI) eine erste Vergleichsuntersuchung gemacht. Die Ergebnisse liegen nun vor.

So ging der Zuckergehalt bei speziell für Kinder beworbenen Joghurtzubereitungen seit 2016 um 7,4 Prozent zurück. Er ist aber weiter höher als in Produkten, die nicht für Kinder angepriesen werden. «Da muss die Wirtschaft nachsteuern», sagte Klöckner. Bei Quarkzubereitungen «mit Kinderoptik» gab es demnach ein Zuckerminus von knapp 18 Prozent.

Bei Erfrischungsgetränken ermittelte das Institut eine Zuckerreduktion von 35 Prozent bei Produkten ausdrücklich für Kinder im Vergleich zu 2018. Bei regulären Limos und Colas fiel das Minus mit 0,2 Gramm pro 100 Milliliter aber nur «sehr gering» aus.

Bei Tiefkühlpizzen, wo vor allem Salz im Blickpunkt steht, ist die Spannweite generell groß - in einer «Pizza Salami» steckt deutlich mehr als in einer «Margherita». Insgesamt sei aber «keine statistisch signifikante Verringerung des Salzgehaltes zwischen 2016 und 2019 festgestellt worden».

Klöckners Zwischenbilanz stieß auf Kritik. «Eine Zuckerreduktion von "sehr viel zu viel" auf "viel zu viel" ist kein Erfolg, sondern eine Bankrotterklärung», monierte die Verbraucherorganisation Foodwatch. Grünen-Fachpolitikerin Renate Künast sagte, freiwillige Selbstverpflichtungen der Konzerne seien nicht ausreichend im Kampf gegen viel zu süße, salzige und fettige Fertiglebensmittel.

Der Experte des AOK-Bundesverbands, Kai Kolpatzik, forderte wirksamere und vor allem verpflichtende Reduktionsziele, die nicht erst in fünf Jahren umgesetzt sind. Laut einer Untersuchung für die AOK überschreiten 73 Prozent der gekauften Menge an Müslis oder Cornflakes die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 15 Gramm Zucker pro 100 Gramm. Bei speziell an Kinder gerichteten Cerealien lägen 99 Prozent der gekauften Produkte darüber. (dpa)

Ministerium zur «Nationalen Redukons- und Innovationsstrategie»

Zusammenfassung MRI-Erhebung

Ausführliche MRI-Erhebung

Ministerium zu Ergebnissen der Erhebung


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Die Flensburger Brauerei ist trotz schwieriger Marktlage zufrieden mit dem abgelaufenen Jahr. Zudem kündigte das Unternehmen an, den Weg zur Klimaneutralität bis 2040 mit der Reduktion von Treibhausgasen fortzusetzen.

Pressemitteilung

​​​​​​​Salto ist auch in diesem Jahr auf der ITB in Berlin sowie der INTERNORGA in Hamburg vertreten. Besucher können vor Ort die vielseitigen elektronischen Hotelschließ- und Zutrittskontrollsysteme live erleben. Im Fokus der Auftritte stehen neben der Sicherheit insbesondere die Themen Digitalisierung und Prozessoptimierung.

Mit dem EPiCs-Programm startet der FCSI Deutschland-Österreich eine Initiative, um den talentierten Nachwuchs der Hospitality-Branche dafür zu begeistern, die Gastwelt als Planer und Berater in eine erfolgreiche Zukunft zu führen. Es ist der Beginn für einen weltweiten Startschuss des internationalen Verbands.

Die moderne Lebensmittelindustrie hat die Welt revolutioniert. Erst durch höchste Präzision und Effizienz ist es gelungen, die heutigen, hohen Lebensmittelstandards zur Norm zu machen.

Pressemitteilung

Die ITB Berlin setzt 2025 mit ihrem Travel Technology- Segment neue Maßstäbe und wird erneut zur globalen Drehscheibe für technologische Innovationen...

Die Importe deutscher Weine nach China sind im vergangenen Jahr überdurchschnittlich stark gestiegen. Mit einem Importvolumen von 4,7 Millionen Litern Wein und Sekt ist Deutschland in China auf den sechsten Platz der wichtigsten Weinimportländer vorgerückt.

Steigende Kosten, sinkende Nachfrage und Wetterextreme: Eine Europaabgeordnete aus der Pfalz macht sich in Brüssel für die angeschlagene Branche stark. Die Weinbauministerin hat eigene Ideen.

Coca-Cola in Belgien und Luxemburg ruft Produkte zurück - Hintergrund ist ein zu hoher Chloratgehalt. In Deutschland wurden die betroffenen Produkte nach Unternehmensangaben nicht verkauft.

Das in der Schweiz gegründete Unternehmen hat sich zum Ziel gesetzt, mit den Mitgliedern der etablierten Scottish Tourism Alliance zusammenzuarbeiten, um die Rentabilität der Hotels im Land zu optimieren und nachhaltiges Wachstum zu fördern.

Pressemitteilung

Die Luxusreisebranche ist auf der ITB Berlin im März erneut im „Home of Luxury“ zu Hause, das erstmals im Palais am Funkturm eine exklusive Plattform für Networking, Events und Meetings bietet. Zu den Ausstellern zählen Abercrombie & Kent, Hi DMC, Koh Jum Beach Villas, Grupo Vidanta und Lobster Experience.